Smart Grid: das Stromnetz der Zukunft

Spricht man von Zukunftstechnik fällt im gleichen Atemzug häufig der Begriff «Intelligente Technologie». Doch was definiert Intelligenz bei Geräten und Maschinen eigentlich? Die Antwort ist einfach: Sie sind vernetzt und «kommunizieren» miteinander. Basis dafür ist eine Gebäudeautomation, wie sie immer häufiger in Neubauten zu finden ist. Dank neuer Technologie kann jedoch noch mehr Energie gespart werden. Dazu wird das Gebäude in ein übergeordnetes, intelligentes Stromnetz, ein sogenanntes Smart Grid, eingebunden. Dieses vernetzt Stromerzeugung, Stromspeicher und Stromverbrauch miteinander und bringt Einspeisung und Bezug in Balance. Das entlastet das Verteilnetz und garantiert auch bei unregelmässiger Stromerzeugung, zum Beispiel durch Solarstrom, eine effiziente und sichere Versorgung.

Um eine optimale Versorgung zu gewährleisten, braucht es neben intelligenten Gebäuden auch eine entsprechende Weiterentwicklung und einen Ausbau des Stromnetzes. Denn nur mittels funktionierendem Smart Grid und mit intelligenten Messsystemen sind die ehrgeizigen Ziele der Energiestrategie 2050 zu erreichen.

Vorbereitet für die Zukunft

In der Automatisierung steckt also viel Potenzial – gefragt sind jetzt ganzheitliche Systeme, die fit für die Zukunft sind und damit die Nutzung von intelligenten Stromnetzen ermöglichen. Ein speziell entwickeltes Gerät bereitet das Gebäude soweit vor, dass dieses auf Smart Grid zugreifen kann. Dabei werden Energieflüsse und Verbrauch gemessen, visualisiert und analysiert. Die Werte zeigen deutlich, wo das Einsparpotenzial liegt. Durch die Integration von exakten Wetterprognosen, gelingt eine noch genauere Ertragsprognose für erneuerbare Energiequellen. Dementsprechend wird dann beispielsweise die Heizung gesteuert. Und das wiederum verbessert auf lange Sicht die gesamte Energiebilanz.

Das Prinzip dieser Smart Grid-kompatiblen Gebäude lässt sich gut mit der Umstellung von herkömmlichem zu hochauflösendem Fernsehen vergleichen. Bevor das Schweizer Fernsehen vor fünf Jahren auf verbesserte Bildqualität setzte, konnte der Verbraucher bereits einige Jahre vorher HD-kompatible Geräte kaufen. Denn High Definition, das war schon damals klar, wird der neue Standard.

Maximale Transparenz beim Verbrauch

Doch zurück zu den intelligenten Häusern: Gebäudeautomation, Eigenverbrauch und Stromabrechnung werden in einem System vereint und zentral gesteuert. Für die Erfassung und Übermittlung des Stromverbrauchs kommen sogenannte Smart Meter zum Einsatz. Sie vernetzen Tarifregister und Schnittstellen für die Anbindung an die Steuerungssoftware. Das erlaubt eine genauere Analyse des Stromverbrauchs. Zählerstände werden kontinuierlich und in Echtzeit in einer Cloud gespeichert. Die ausgewerteten Daten sind die Basis für die Abrechnung. Gleichzeitig hat der Hausbesitzer via Computer, Tablet oder Smartphone jederzeit Einblick in die Energieversorgung.

Eine Roadmap als Wegleitung zu Smart Grids

Trotz klaren Vorteilen gibt es in der Schweiz noch kein flächendeckendes intelligentes Stromnetz. Im März 2015 hat das Bundesamt für Energie das Projekt «Smart Grid Roadmap» veröffentlicht. Dieser Bericht soll ein einheitliches Verständnis von Smart Grid schaffen und gleichzeitig zeigen, was es noch braucht, um ein zusammenhängendes Netz in der Schweiz zu etablieren. Dazu gehört auch der sichere und einheitliche Umgang mit den gesammelten Daten. Somit fungiert die Roadmap als Wegleitung zur künftigen Verbreitung von intelligenten Netzen in der Schweiz.

Erfolgreiches Pilotprojekt

Dass intelligente Gebäude und Smart Grid funktionieren, beweist ein Pilotprojekt in Frutigen: Dank Smart Grid-kompatiblem Gebäude konnte der Strom- und Wärmeverbrauch um 24% beziehungsweise 51% reduziert werden. Der Anteil des Eigenverbrauchs aus Photovoltaik-Anlagen stieg dank der Integration von präzisen Wetterprognosen, um 28%. Ein beeindruckendes Ergebnis, welches Politik, Spezialisten und Verbraucher im eingeschlagenen Weg in eine intelligente Zukunft bestärkt.

Artikel schliessen
06. März 2017
Diese Artikel könnten Sie auch interessieren