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Lesedauer 4 Minuten

Smart-Home-Komfort im ehemaligen Patrizierhaus

Vom historischen Haus zum modernen Wohntraum: Mit sorgfältiger Restaurierung, cleverem Wiederverwenden von Materialien und einem alles vernetzenden Smart-Home-System ist ein Gebäude entstanden, das trotz fortschrittlicher Technik nichts von seiner Geschichtsträchtigkeit eingebüsst hat.

Könnten Häuser reden, hätte dieses sicher einiges zu erzählen. Das feudale Patrizierhaus mit den auffälligen Zinnen wurde im 16. Jahrhundert erbaut. Höchstwahrscheinlich unter Knechtschaft, denn der verbaute Naturstein musste erst mal nach Pratval/GR geschafft werden – und das hat bestimmt viel Schweiss gekostet. Begegnungen mit Reisenden entlang der ehemaligen Handelsroute, die am Haus vorbeiführt, dürften seine Geschichte geprägt haben. Ein Ort der Zusammenkunft also – und das war denn auch der Anspruch der Eigentümer an die Erneuerung des Gebäudes: Die Geschichte sollte weitergeführt und damit ein Ort des gemütlichen Beisammenseins geschaffen werden. Gelungen ist dies mit einer Kombination aus sorgfältiger Restaurierung und modernster Smart-Home-Technik.

Altes Material neu verbaut

Bereits der Rückbau förderte die eine oder andere Überraschung zu Tage. Die Entfernung eines im Korridor eingebauten Klinkerbodens führte im darunterliegenden Gewölbe zu Instabilität, so dass es abgestützt werden musste. Weiter kamen schöne alte Steinplatten zum Vorschein – ergänzt mit neuen Platten aus dem gleichen Gestein bleibt der alte Charme erhalten. Passend dazu wurden die übermalten Fenster- und Türgewände aus Schiefer sorgfältig sandgestrahlt und ansonsten in ihrem Naturzustand belassen. Auch sonst legten die Bauherren grossen Wert darauf, so viel altes Material wie möglich aus der Entkernung wieder einzusetzen. Zum Beispiel wurde die Holzverkleidung im Wohnzimmer entfernt, sandgestrahlt und nach der Isolierung wieder montiert. Aus 500-jährigen Bodenbrettern wurde ein Esstisch und aus ehemaligen Bodenschiftungsbalken entstand eine Bettumrandung.

Ein harmonisches Gesamtbild

Schlichtheit und Reduktion aufs Wesentliche stand bei der Innengestaltung sowohl für Architekt als auch Bauherrschaft im Vordergrund. Weiss lackiertes Holz steht im Kontrast zu geschmiedetem Stahl und dient als sichtbare Trennung von alt und neu. Zeitgenössische Elemente wie Garderoben, Schiebetüren oder die vollständig aus Glas bestehenden Trennwände in den Nasszellen fügen sich diskret ins Gesamtbild ein und ergeben eine stimmige Einheit. Dies gilt auch für die moderne Küche, die perfekt an den historischen Bau angepasst wurde. Die Böden und einige Wandabschnitte bestehen aus Naturofloor – ein Material, welches ideal mit den übrigen Baustoffen harmoniert.

Alles auf einen Klick

Wer die Geschichte eines Hauses respektieren will, muss nicht unbedingt auf modernen Komfort verzichten. Im Gegenteil: Das auf digitalSTROM basierte Smart-Home-System wurde vom Elektroinstallateur gezielt so aufgebaut, dass sämtliche Elektrogeräte in Küche und Waschküche sowohl per Schalter als auch über eine App gesteuert werden. Auch Heizung, Lüftung, Alarmanlage, Audio und Video, Beleuchtung, Beschattung, das Garagentor, ja selbst der Brunnen im Garten und die Bewässerungsanlage sind mit diesem System vernetzt und komfortabel bedienbar. Die Leuchtkörper im und ums Haus sind allesamt mit verbrauchsarmen, dimmbaren LED-Lampen ausgerüstet. Ihr warmer Farbton schafft ein weiches Licht und damit eine angenehme Atmosphäre. Die Vernetzung ermöglicht zum Beispiel, bestimmte Lichtszenen zu programmieren und mit einem Klick abzurufen – je nach Bedarf sogar mit der dazu passenden Musik.

Sorglos in die Ferien

Alles per Smartphone im Griff zu haben, ist das Eine – ebenso wichtig für den Komfort ist es, dass das Gebäude auch mal sich selber überlassen werden kann. So sorgt die Anwesenheitssimulation dafür, dass das Haus auch dann bewohnt aussieht, wenn die Bewohner in den Ferien sind. Auch um den Garten brauchen sie sich keine Sorgen zu machen, denn das System entscheidet aufgrund von Witterungsverhältnissen und Jahreszeit, ob eine Bewässerung nötig ist. Selbstverständlich ist auch der Fernzugriff per Smartphone möglich: So kann zum Beispiel die Heizung bei längerer Abwesenheit gedrosselt und bei der Rückkehr schon von unterwegs wieder heraufgefahren werden, um es beim Heimkommen wohlig warm zu haben. So lässt sich auf komfortable Weise eine Menge Energie sparen.

Jederzeit ausbaufähig

Da das System über die Stromleitungen kommuniziert, brauchte es nur wenige Eingriffe in die historischen Natursteinmauern. Eine Ausnahme waren die EDV-Kabel für die WLAN-Sender: Die zum Teil meterdicken Mauern führten dazu, dass das Signal bereits den Raum nebenan nicht mehr erreicht – darum mussten insgesamt sieben WLAN-Sender im Haus installiert werden. Der Aufwand hat sich aber gelohnt: Jetzt können die Bewohner von jedem Raum aus bequem im Home-Office arbeiten. Für Flexibilität sorgt auch der Rest des Systems: Da es offen und modular aufgebaut ist, kann es kontinuierlich weiterentwickelt werden, wenn sich die Bedürfnisse im Lauf der Zeit ändern. Denkbar wäre zum Beispiel der Zutritt per Fingerscanner oder ein intelligenter Paketbriefkasten, der vom Postboten mittels Code geöffnet werden kann. Auch die Integration eines Sprachassistenten, um das Gebäude verbal zu steuern, wäre problemlos möglich. Solche nachträglichen Änderungswünsche können mit einer Umprogrammierung einfach und rasch implementiert werden.

Ein Schmuckstück zwischen den Jahrhunderten

Eines der Highlights im Haus ist die Gewölbe-Räucherkammer. Wo früher Fleisch über dem offenen Feuer geräuchert und Obst im Dörrofen getrocknet wurde, sollte auch heute wieder gemütlich gekocht werden. So wurde das an die Räucherkammer angemauerte Backhaus mit Natursteinen komplett restauriert. Aus dem ursprünglichen Holzbackofen, der den Lauf der Zeit nicht überstanden hat, entstand mit Schamottsteinen ein aufgemauerter Rundofen. Der Kamin wurde so restauriert, dass der Rauchabzug sämtlicher Feuerstellen nach wie vor darüber erfolgt. Besonders clever: In den Kamin wurde gleich noch ein Grill integriert – und zwar auf Höhe der Dachterrasse, die über der Räucherkammer liegt. So entstand ein weiterer Ort, um gemütlich zusammenzusitzen. Hätten die alten Patrizier gewusst, dass dieses Haus auch 500 Jahre später noch in seinem ursprünglichen Glanz erstrahlt – bestimmt wären sie gerne dazugesessen und hätten gestaunt, was die moderne Technik alles ermöglicht.