Wohnen im Alter: Zuhause ist es am schönsten

Viele ältere Menschen möchten möglichst lange zuhause Wohnen – und das sicher und komfortabel. Eine Kombination aus frühzeitiger Planung, baulichen Massnahmen und intelligenter Haustechnik macht genau das möglich. Erfahren Sie, wie Senioren sich den Alltag erleichtern und mehr Unabhängigkeit erlangen.

Fakt ist: Die Menschen werden immer älter. Gegenwärtig haben wir in der Schweiz eine der höchsten Lebenserwartungen weltweit – fast 84 Jahre sind es gemäss Bundesamt für Statistik. Voraussichtlich wird in 20 Jahren jeder vierte Bewohner der Schweiz das Rentenalter erreicht haben. Gleichzeitig dürfte sich die Zahl der über 80-Jährigen in dieser Zeit verdoppeln – sie sind damit die am stärksten wachsende Bevölkerungsgruppe. Aber nicht nur das: Ältere Menschen bleiben auch länger gesund. 2018 lebten lediglich 6% aller Seniorinnen und Senioren in einem Alters- oder Pflegeheim. In gewohnter Umgebung gesund und selbstbestimmt zu altern, entspricht also einem grossen Bedürfnis. Durch verschiedene Technologien und Einrichtungen zur Hilfe und Unterstützung kann dieser Wunsch heute erfüllt werden.

Barrierefreiheit als erste Priorität

Gut geeignet für das Wohnen im Alter sind Erdgeschosswohnungen oder Wohnungen mit einem Lift. Dieser sollte gross genug sein, damit Rollatoren oder Rollstühle bequem hineinpassen. Doch auch im eigenen Haus ist Wohnen im Alter möglich. So können Stufen zur Haustüre mit einer Rampe ersetzt werden, und das mühsame Treppensteigen lässt sich mit der Installation eines Treppenlifts umgehen. Bei der Einrichtung ist ebenfalls die Barrierefreiheit das Wichtigste: Räume, Terrassen und Balkone sowie häufig benutzte Alltagsgegenstände müssen bequem erreichbar und nutzbar sein. Auch sollte die Wohnung so eingerichtet werden, dass alle Räume leicht zu reinigen sind.

Bedienkomfort für Bad und Küche

Egal, wie alt oder gesund man ist: Der Spass am Kochen oder am Baden sollte davon nicht beeinflusst werden. Im Badezimmer sind fest installierte Haltegriffe sinnvoll, zum Beispiel über der Badewanne. Antirutschstreifen oder -matten verringern die Gefahr des Ausrutschens. Zum Ein- und Aussteigen gibt es spezielle Trittstufen, beim Hinsetzen helfen absenkbare Sitzgestelle, auch Badewannenlifte genannt. Hilfreich ist es ausserdem, wenn sämtliche Armaturen auch einhändig bedienbar sind – so ist zum Abstützen immer eine Hand frei.

Bei der Planung einer barrierefreien Küche sollte darauf geachtet werden, dass sämtliche Geräte leicht zu erreichen sind. Das bedeutet, dass zum Beispiel Herd, Spüle und Arbeitsplatte so angebracht sind, dass sie im Sitzen benutzt werden können. Auch der Backofen ist deutlich komfortabler und rückenschonender, wenn er auf Höhe der Arbeitsplatte montiert ist, und nicht wie sonst üblich unter dem Herd. Gleiches gilt für Kühlschrank und Geschirrspüler. Um bei der Suche nach dem passenden Utensil waghalsige Kletterpartien und mühsames Bücken zu vermeiden, lohnen sich voll ausziehbare Unterschränke. Oberschränke können je nach Bedarf tiefer angebracht oder mit einer Absenkvorrichtung versehen werden. Durch eine clevere Auswahl der Geräte wird die Sicherheit zusätzlich erhöht: Zum Beispiel kann ein Induktionsherd dafür sorgen, dass sich nur der Topf selbst, nicht aber die Platte erwärmt. Mit der Topferkennung wird die Herdplatte automatisch ausgeschaltet, wenn sich kein Topf darauf befindet – wird sie mal vergessen, besteht also keine Brandgefahr.

Sensoren für Senioren

Oft wird fälschlicherweise angenommen, Smart Home-Anwendungen seien in erster Linie für jüngere, technikaffine Menschen gedacht. Dabei liegt in cleverer Haustechnik ein riesiges Potenzial für ältere Menschen. Programmierbare Szenarien unterstützen die Bewohner bei alltäglichen Abläufen und rufen sogar automatisch Hilfe, wenn doch mal ein Notfall eintritt. So können mit strategisch geschickt platzierten «Panikschaltern» sämtliche Lichter und Alarmsysteme aktiviert werden – und das mit nur einem Knopfdruck. Ein weiterer Vorteil: Die Alarmierung von Angehörigen, Pflegepersonal oder Rettungsdiensten kann darin ebenfalls eingebunden werden.

Ein weiterer unsichtbarer Helfer ist die Sensormatte, die vor dem Bett platziert wird. Wer beim nächtlichen Aufstehen auf die Matte tritt, aktiviert damit automatisch das Nachtlicht im Bad. So wird der nächtliche Gang zur Toilette komfortabler und sicherer. Auch das Öffnen der Türe lässt sich im Smart Home bequem steuern: Sobald jemand klingelt, überträgt die Videokamera am Eingang das Live-Bild auf ein Tablet, das sich in der Wohnung befindet. Handelt es sich um erwünschten Besuch, genügt ein Fingerwisch, um die Tür zu öffnen.

Bauen für Ältere ist Bauen für alle

Früher oder später stellt sich für jeden Wohnungs- und Hausbesitzer die Frage, wie er seinen Lebensabend verbringen möchte. Wer schon heute weiss, dass er am Liebsten bis ins hohe Alter in seiner Wohnung oder seinem Eigenheim bleiben will, tut gut daran, frühzeitig die Weichen zu stellen. Genügend Leerrohre beim Neu- oder Umbau ermöglichen künftige Smart Home-Aufrüstungen auf schnelle und kostengünstige Weise. Und selbst wenn sich die Pläne noch ändern sollten: Eine Investition in barrierefreies Wohnen lohnt sich so oder so. Schliesslich sind hohe Schwellen und enge Türen nicht nur für ältere Menschen beschwerlich, sondern genauso für junge Eltern mit Kinderwagen oder Menschen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind. Entsprechend steigt der Wert von barrierefreien Wohnungen und Häusern – erst recht dann, wenn noch intelligente Haustechnik dazukommt. Wenden Sie sich also frühzeitig an Ihren Elektriker: Er hat den Überblick über mögliche Lösungen und weiss, wie diese sinnvoll eingesetzt werden – vom einzelnen Sensor bis zur vollautomatischen Haussteuerung.

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07. Dezember 2020
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